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„Bieder“ — das bedeutet so viel wie unschicklich konservativ, einfallslos, hausbacken, unoriginell. Der etymologische, gewissermaßen sprachhistorische Hintergrund des Begriffs führt uns zum Althochdeutschen „biderbi“, was so viel bedeutet wie „nützlich“ oder „brauchbar“.

Und? Genug gelangweilt? Genau in dieser Begriffsbestimmung findet sich der Mazda 323 — zumindest bis zum Jahr 1989. In Japan beginnt die Geschichte des 323, der dort Familia heißt, bereits 1963 — und übrigens so gar nicht bieder: Auf der Achse Hiroshima–Turin meißelt Giorgetto Giugiaro, damals noch bei Bertone, die erste Generation. Bildhübsch. Mit jeder folgenden Generation wird der Familia pragmatischer, verkaufbarer. Bieder! Aber eben auch: erfolgreich. Die einigermaßen gesichtslosen Baureihen BD und BF zementieren Mazdas Exporterfolg ab den 1980er Jahren. Erneut ist Giugiaro im Spiel — diesmal nicht als Designer, sondern als wesentlicher Geburtshelfer der Golf-Klasse, deren grundsätzliche Formensprache der 323 bereits in den 1970ern aufgreift. Aber erst mit der Generation BD, ab 1980, wird der 323 ein Riesenerfolg.

Genau in dieser Zeit explodiert Japans Wirtschaft. Die Bubble Economy gebiert eine goldene Ära der japanischen Fahrzeugindustrie: Ungehemmte Kreativität lässt wilde Konzepte in Serie gehen. Mazda leistet sich gleich zwei eigene Submarken — Autozam und Eunos. Und beim neuen Familia/323 der, mittlerweile siebenten, Baureihe BG erlaubt man sich den Astina, bei uns als 323F bekannt. Neben dem biederen Dreitürer und dem noch biedereren Viertürer bekommt der Fünftürer etwas Besonderes: eine große Heckklappe — und vorne zwei kleine Klappen. Richtig: Klappscheinwerfer in der Golf-Klasse. In Deutschland zumindest einzigartig.

Während Klappscheinwerfer in Europa vor allem Sportwagen vorbehalten bleiben, haben die Japaner schon immer eine gewisse Schwäche für dieses Feature gehabt. Die in Japan auch als „Paka-Paka-Lights“ bekannten Spaß- und Lichtspender — benannt nach dem deutlich hörbaren Mechanismus — fanden sich bereits in den 1980ern ganz selbstverständlich im Honda Accord der Mittelklasse, ebenso beim kleineren Integra oder beim Toyota AE86 — und nicht nur dort. Toyota stattet auch Spielarten des dreitürigen Corollas damit aus, den GP Turbo, inclusive der Schwestermodelle Tercel und Corsa. Die Feinheiten des Bezeichnungschaos lassen wir an dieser Stelle aus.

Der 323F ist eine spannende Mischung aus kompaktem Alltagsauto und dem Anflug eines fünftürigen Coupés — und eine der unterhaltsamsten automobilen Erscheinungen der frühen 1990er Jahre. Heute gilt er als einer der attraktivsten Mazda-Klassiker überhaupt.

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