Im Englischen gibt es zwei wunderbare Begriffe: „Shitbox“ und „Bangernomics“. Sie befinden sich am unteren Ende der automobilen Nahrungskette und beschreiben Folgendes: Es geht allein darum, günstig von A nach B zu kommen — nicht immer völlig spaßbefreit. Oft handelt es sich um Zweit- oder Drittwagen, während in der Garage etwas mit deutlich größerem Lustfaktor steht.

Die große Kunst von Bangernomics besteht darin, eine Karre (Banger) zu finden, die möglichst wenig Kosten (Economics) verursacht. Nicht selten gerät ausgerechnet die Shitbox zu einem erstaunlich unterhaltsamen Gefährt — in der absoluten Talsohle des preislich Möglichen.



Lasst uns über den Ford Fiesta sprechen! Nicht nur, dass Ford mit dem Fiesta 76 früh ins Supermini-Territorium eintauchte — Ford beherrschte das Kunststück, einen Grundentwurf immer wieder neu zu verkaufen. Tom Tjaardas Fiesta-76-Linie wurde beim Fiesta 84 etwas geglättet. 1989 folgte dann — richtig — der Fiesta 89. Zweimal wurde nachträglich tapeziert, 96 und 99, bis endlich ein wirklich neuer Fiesta kam.




Genau zwischen 89 und 99 liegen zehn Jahre voller Shitbox-Potenzial. Ich präsentiere: den Fiesta ’96! Wir erinnern uns: Während Sierra und Escort langsam in Rente gingen, um Mondeo und Focus Platz zu machen, blieb aus der alten Ford-Nomenklatur der Fiesta übrig. Aber er wurde mit Liebe zum Oval der neuen Formensprache angepasst — innen wie außen.




Was braucht eine Shitbox? Komfort, etwas Plüsch, die eine oder andere Annehmlichkeit, zum Beispiel eine Klimaanlage. Kurz: Es braucht einen Fiesta Ghia. Mit der Übernahme von Carrozzeria Ghia durch Ford wurde das Badge genutzt, um Ford eine hochwertige Ausstattungslinie zu bescheren — das gab es schon beim Fiesta 76. Das bedeutete mehr Plüsch, weniger nacktes Blech und Holzimitat.







Beim vorliegenden Fiesta Ghia — Danke, Nils! — funktioniert das ganz hervorragend. Eine Erstbestellung im Seniorenstil. Man beachte: das Radio, Ford 5000 RDS mit CD-Wechsler (!!!) natürlich in Holzoptik. Genug Velour, dass es farblich mit der Cordhose verschmilzt. Ins Heute transferiert, reicht ein ordentlicher Felgensatz zur Persönlichkeitsveränderung aus. Ja, genau das ist mit „Bangernomics“ gemeint.
